Sonntag, 19. Oktober 2014

Und täglich kommt der Alientod - EDGE OF TOMORROW

(2014) / US, AU / Laufzeit: ca. 114 Minuten / FSK: 12 / Action, Sci-Fi



“We should just reset.”

Man steht kurz davor Prinzessin Peach zu retten, da wird Mario von so einem verdammten Pilz umgehauen. Das ganze Level nochmal von vorne, so ein Dreck. Bill Murray steht um 6 Uhr auf, will ebenfalls nichts anderes als seine angebetete Dame erreichen, doch scheitert er immer wieder. Der ganze Tag nochmal von vorne, so ein Dreck. Nun muss Tom Cruise in die Fußstapfen seiner verklärten Vorgänger gehen - und nicht weniger als die Welt hängt von seiner Tagesplanung ab. Mit großen Propagandaeinlagen erwacht Mr. Impossible, Europa wird von Aliens überrannt und nur die Amerikaner können noch helfen. Keine Zeit zum aufregen, weiter geht’s, die Kameraden kennenlernen. Check, check, check, keiner mag den schleimigen Scientologen. Keine Zeit zum rumjammern, ab in den Flieger zum Schlachtfeld. Bereitmachen verpassen, Absprung, rumtaumeln, sterben. Repeat.

“Come find me when you wake up!”



Und es ist doch so klar wie es ausgehen wird, Tom Cruise wird diesen Tag ein paar mal durchmachen, eine Lösung finden, die Welt retten und das Mädchen bekommen. Völlig egal, was zählt ist die aktuelle Szene, der momentane Zeitstrang, die neuen Actionsequenzen, überraschende Wendungen, erschreckend gute Comedyeinlagen. Das ist nichts gewagtes, ein, natürlich auf das Mainstream-Kino abgeschleiftes Format und auch nichts hochintelligentes, doch etwas so unterhaltsames. Eine temporeiche Adrenalinspritze die immer wieder zusticht und Hochglanzkino der dreckigen Sorte präsentiert. Emily Blunt erfüllt die Frauenquote mit ihrem Charakter. Natürlich nicht. Mit ihrer Fraulichkeit. Der gewisse Hauch Erotik der einfach benötigt wird, damit der Cruise nicht nervt. Tut er auch nicht. Es wird keine Zeit gelassen, seinen dummen Blick zu registrieren, weiter geht’s, neuer Zeitstrang. Die Wiederholung ist mehr als ein Lückenfüller, besticht sie doch durch Kreativität und Gott sei Dank nicht fehlender Intelligenz. Nichts wäre hier auf den Sack gehender als ein Cruise, der jeweils zwölf Anläufe bräuchte, um auch die kleinste Nebenrolle von seiner Situation zu überzeugen. Passiert aber auch nicht, Leute werden bekehrt, es wird gekämpft, es wird gestorben, neuer Zeitstrang. Nochmal alle überzeugen, check, sterben, check.

Die Kunst von EDGE OF TOMORROW ist es, dass das einfach nicht langweilig wird. Bis zum grande finale macht dieses Konzept Spaß, und dabei ist es völlig egal ob das innovativ oder kopiert ist. Doug Liman (DIE BOURNE IDENTITÄT) kreiert den beinahe perfekten Sci-Fi-Actioner, mit einem flotten Schnitt, persönlichen Justierungen und einer ideal abgestimmten Laufzeit. So bereitet man dem Zuschauer ein 5 Sterne Wellnesspaket der Samstagabendunterhaltung. Lediglich beim Ende verpasst man den idealen Moment und schaltet die Kamera erst dann aus, nachdem man etwas zu sehen bekommen hat, was sich einfach am denkbar schlechtesten für einen Film dieses Kalibers eignet - Tom Cruise's schmitziges Lächeln.

7.5/10


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